Onlinebuchmesse Autorin: Robin Lang

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Ich liebe Ihre Treebill Reihe!

Und hier gibt es einen kleinen Einblick aus dem Zweiten Band:
„Endlich Urlaub!
Drei Wochen Entspannung lagen vor Tyler und er hatte vor, diese Wochen mehr als zu genießen. Endlich musste er nicht mehr die langen Stunden im Krankenhaus stehen, immer auf dem Sprung, immer unter Druck, immer bereit, den nächsten Notfall zu operieren und zu operieren und zu operieren.
Ab und zu spielte er mit dem Gedanken, es seinem Vater gleich zu tun und in eine eigene Praxis zu investieren. Aber bisher hatte er sich noch nicht dazu durchringen können. Er scheute die Verantwortung, die Verwaltung und die Tatsache, dass er dann auch gleichzeitig ein ‚Arbeitgeber‘ sein würde. Nein, im Grunde liebte er seinen Job im Krankenhaus, wenn auch die Anforderungen dort mit Sicherheit größer, die Nächte länger und die Fallzahlen höher waren. Auch das besondere Gefühl, das er nach einer gelungenen Operation hatte, würde er bestimmt vermissen. Gerade einer seiner letzten Fälle hatte ihm das gute Gefühl gegeben, wirklich etwas bewirken zu können, wenn es auch etwas unschön geendet hatte. Aber er liebte den Adrenalinrausch, wenn es hektisch wurde und sein ganzer Fokus auf dem Patienten sein musste.
Das war wohl auch der Grund dafür, warum er jetzt mit seinem bis oben hin vollgeladenen SUV unterwegs nach Treebill war und nicht cocktailschlürfend an einem Strand lag. Nein, sein Traumurlaub bestand aus Wandern, Mountainbike fahren, Schwimmen und dem Genießen der Ruhe und Abgeschiedenheit der Rockys.
Er war in den letzten Jahren zwei oder drei Mal in Treebill gewesen, allerdings noch nie zum Sommerurlaub und auch noch nie allein. Vor gut eineinhalb Jahren hatte er die Weihnachtstage und Silvester in einer Hütte mit Freunden verbracht. Leider war damals etwas höchst Peinliches passiert: Sein Arbeitskollege Tom hatte ihn gefragt, ob er nicht mitkommen wollte, er sollte Tobias, dessen Schwager, kennenlernen. Tom war fest davon überzeugt gewesen, dass Tyler und Tobias wunderbar zusammenpassen würden. Eigentlich hielt Tyler nichts davon, verkuppelt zu werden, aber irgendwie war er dann doch mitgefahren. Leider war Tom völlig auf dem Holzweg gewesen, von Gemeinsamkeiten überhaupt keine Spur, zumindest von Tobias‘ Seite aus. Tyler hingegen hatte auf Teufel komm raus geflirtet, denn es gehörte einfach zu seiner Natur. Er war ein offener, ehrlicher und unkomplizierter Typ und es war ihm egal, ob er mit einem Hetero oder einem schwulen Mann redete – er konnte nicht aus seiner Haut.
Tobias hatte ihm bald klar gemacht, dass Tyler nicht mal im Entferntesten seinem Beuteschema entsprach und hatte Worten Taten folgen lassen und sich den heißen Mechaniker Reed aus Treebill geschnappt. Mittlerweile wohnte Tobias in Treebill und diesen Herbst würden die beiden heiraten. Tyler hatte den Kontakt zu Tobias gehalten, die beiden sogar schon besucht, aber immer nur für ein paar Tage.
Beim letzten Gespräch hatte Tyler von seinem Urlaub und seinen Vorstellungen davon erzählt. Da hatte Tobi vorgeschlagen, eine der Hütten in der Nähe zu mieten, denn die Gegend bot wirklich alles, was Tyler suchte.
Gesagt, getan. So war Tyler nun hier. Er hatte sich ein neues Mountainbike gegönnt, eines, das noch besser in den Bergen funktionieren würde mit extra breiten Reifen, einer super Federung und den besten Bremsen, die es für Geld zu kaufen gab.
Er hatte das Seitenfenster seines Wagens runtergekurbelt, er hörte lautstark Lady Gaga, die Sonne schien, er hatte seine Lieblingsshorts an, der Tag konnte nicht besser werden. In wenigen Meilen wäre er in Treebill, dort würde er sich kurz mit Tobi treffen, sich mit Lebensmitteln eindecken und dann zu seiner kleinen Hütte fahren. Beim letzten Besuch hatte er bei den beiden gewohnt, das mochte für eine Nacht in Ordnung sein, für drei Wochen nicht.
Er hing seinen Gedanken nach und achtet nicht wirklich auf den sowieso kaum vorhandenen Verkehr, als sich plötzlich ein Polizeiwagen vor ihn setzte und ihn zum Anhalten zwang.
Schnell überlegte Tyler, was er vielleicht falsch gemacht haben könnte. Leider fiel ihm nichts ein, außer, dass er vielleicht zu schnell gewesen sein könnte. Er wartete gespannt, was der Polizist von ihm wollte. Während der aus dem Wagen ausstieg und zu ihm herüberkam, kramte Tyler bereits seine Papiere hervor.
Schon von Weitem bemerkte Tyler, dass der Polizist eine echte Augenweide war. Er hatte schon immer eine Schwäche für Männer in Uniform gehabt, wenn der Kerl dann auch noch älter war als er mit seinen nicht mal 30 Jahren, größer und mit Muskeln an den richtigen Stellen – wow.
Nicht, dass er ein bestimmtes Beuteschema hätte – Tyler war in dieser Hinsicht leicht wankelmütig, aber Männer in Uniform, die mussten groß und breit sein. Genau wie dieses Schnuckelchen, das auf ihn zukam und ihm wahrscheinlich gleich ein Ticket wegen Geschwindigkeitsüberschreitung verpassen würde. War er zu schnell gewesen? Gut möglich, die Straße führte hier geradeaus, es gab kaum Verkehr, sein Wagen war schnell, die Musik gut, die Laune hervorragend. Er hatte eine kleine Schwäche für Geschwindigkeit, auch wenn das angeblich nicht so ganz zu seinem Äußeren passte.
Scheiße, er merkte, dass er wie so oft über die Vorurteile nachdachte, die man ihm gegenüber hegte. Er war zierlich, gerade mal 1,68 Meter groß, er hatte das, was man wohl ‚weiche‘ oder weibliche Gesichtszüge nennen konnte, er legte viel Wert auf sein Äußeres, war bunt, auffällig, laut und schwul und er stand dazu. Leider bedeutete das in den Augen der Menschen, dass er deshalb auch vom Wesen her so sein musste. Doch das Gegenteil war der Fall – er stand auf PS, Football, Bier und er war ein echter Adrenalinjunkie.
Bis der Polizist an seinem Auto angekommen war, hatte Tyler sich und seine Gesichtszüge aber wieder im Griff und war in der Lage, dem anderen sein schönstes Lächeln zu schenken.
„Guten Tag, Officer“ – ja, er konnte nicht aus seiner Haut, er musste einfach flirten, denn er hatte gute Laune und wollte sich diese auch nicht durch trübe Gedanken über Stereotypen versauen lassen – „was kann ich für Sie tun?“
Aber statt eines zumindest kleinen Lächelns bekam Tyler nur eine abschätzend-wertende, hochgezogene Augenbraue zusammen mit einem alles andere als freundlichen Blick. Wenn er sich nicht täuschte, so sah der bis eben noch neutral blickende Polizist jetzt fast genervt, wenn nicht sogar abweisend aus. Toll, der hatte dann wohl keine gute Laune und auch keine Lust, auf den Austausch von Nettigkeiten.
Und so begann der dann auch, ohne jegliche Höflichkeitsfloskel: „Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.“
Tyler reichte sie ihm. Der Polizist warf einen kurzen Blick hinein und schien anschließend das Auto und Tylers Gepäck zu inspizieren.
„Sie sind eben fünf Meilen über der hier erlaubten Geschwindigkeit gefahren, Mr. Raven.“ Der Polizist verzog keine Miene und starrte Tyler mit einem vollkommen neutralen Blick an.
Okay, soviel zum Thema, die Situation etwas aufzulockern. Tyler blickte kurz auf die Marke, um den Namen dieses Cops zu haben. Er wusste, dass die Situation eigentlich nicht lustig oder entspannt war.
Trotzdem konnte er wie so oft nicht aus seiner Haut: „Das tut mir wirklich leid, Officer Williams. Aber diese Gegend hier ist einfach so schön und entspannend, das lädt dazu ein, alles um sich herum zu vergessen.“
Nein, er erhielt daraufhin kein Lächeln, nur eine diesmal genervt-wirkende hochgezogene Augenbraue.
„Und Sie meinen, dies entschuldigt ein überhöhtes Tempo? Was führt Sie überhaupt in diese Gegend?“
Während der Polizist das fragte, kramte er gleichzeitig seinen Block heraus und begann darauf zu scheiben – Tyler würde wohl nicht um ein Ticket herumkommen. Da der Andere offenbar nicht zum Smalltalk aufgelegt war, versuchte Tyler es auch mit Professionalität. Er benutzte seine beste „Ich-bin-Arzt-und-informiere-mein-Gegenüber“-Stimme, als er antwortete: „Ich habe eine kleine Hütte in Treebill angemietet und werde drei Wochen Urlaub hier verbringen.“
Wenn das überhaupt möglich war, dann zog sein Gegenüber die Augenbraue noch höher, eine Geste, die Tyler durchaus sexy fand, was der Mann aber wohl nicht wusste oder wissen wollte. Tyler sah, wie der Blick zurück zu dem Mountainbike wanderte und er konnte die Gedanken förmlich hören: ‚Oh Gott, wenn dieses Weichei mit diesem Bike fährt, dann wird das mit gebrochenen Knochen enden!‘
Tyler SAH dem anderen all die vorurteilsbehafteten Gedanken an und das machte ihn sauer.
Scheiße, wieso war er nur so winzig? Wenn er groß und breit gebaut wäre, dann würde man ihn vielleicht auch ernster nehmen. Aber aller Sport der Welt hatte es nicht geschafft, ihn muskulöser oder kräftiger zu machen. Er würde immer schmächtig bleiben, aber was war daran schlecht? Wieso wurde er nur immer über sein Äußeres definiert? Ja, er mochte Mode, ja, er war schwul und man sah es ihm auch an – aber … egal. Er würde nichts an der Einstellung dieses Mannes ihm gegenüber ändern. Er hatte auch nicht vor, sich ständig zu verbiegen. Also ließ er alle seinen Frust raus. Er hielt seine Hand leicht divenhaft aus dem Fenster: „Wenn Sie mir dann einfach meinen Strafzettel geben würden. Ich verspreche, ich werde mich in Zukunft bremsen. Oder ist sonst noch was? Ist es hier ein Verbrechen, ein Mountainbike zu besitzen, Sport machen zu wollen oder schwul zu sein?“
Dem Polizisten entglitten für einen winzigen Augenblick die Gesichtszüge, er hatte sich aber schnell wieder im Griff.
Zu Tylers totaler Überraschung steckte er dann seinen Block wieder ein, bevor er antwortete: „Für heute werde ich es bei einer Verwarnung belassen, ich möchte Sie aber bitten, sich in Zukunft an die Verkehrsregeln zu halten. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, genießen Sie Ihren Aufenthalt in Treebill.“
‚… und kommen Sie mir nie mehr unter die Augen!‘, ergänzte Tyler im Kopf. Wahrscheinlich hatte der Mann nur Angst, dass Tyler ihn wegen Homophobie anzeigen oder sonst irgendwie der Diskriminierung beschuldigen würde. Was es auch war, warum er mit einer Verwarnung davon kam, er wollte sein Schicksal nicht herausfordern. Er nickte also dem Polizisten nur zu und verkniff sich jeden weiteren Kommentar.
Toll, genau so hatte er sich seine erste Interaktion mit einem Fremden im Urlaub gewünscht. Er konnte nur hoffen, dass das kein schlechtes Omen für seinen Aufenthalt hier sein würde!“

Meine Rezensionen zu den beiden ersten Büchern findet ihr hier:
https://buchjunkies.wordpress.com/2019/11/26/treebill-1-2-von-robin-lang/

Und eine kleine Vorstellung der Autorin selbst, hier:
https://buchjunkies.wordpress.com/2019/11/26/robin-lang/

Wer es lieber fantasievoller mag, dem empfehle ich Ihre „Von Mythen und Menschen“ Reihe, wo dieses Jahr noch der 5. erscheint (leider nur als Ebooks erhältlich) sowie Ihre Numa Reihe.

Und für Fans von mal so ganz anderen Geschichten, empfehle ich „Spread your wings and fly“ da war ich bis zum Ende gespannt wie sich das ganze auflöst und wäre nie drauf gekommen.